Antivirenprogramme im Test bei Stiftung Warentest

Antivirenprogramme im Test bei Stiftung Warentest

Frühjahr ist die Zeit der länger werdenden Tage und der aufwallenden Emotionen. Es ist aber auch die Zeit, in der die Stiftung Warentest Sicherheitslösungen aka Antivirenprogramme testet. Dieses Jahr unter der Lupe der Stiftung Warentester: 22 Antivirenprogramme für Windows und 9 für Mac. In diesem Beitrag fassen wir die Ergebnisse des Tests für Windows Antivirensoftware zusammen und kommentieren diese.

Mit über 40.000 Schadprogrammen, bösartigen Websites und verseuchten Downloads wurden die 22 Antivirenprogramme malträtiert. Die Schutztests wurden wiederholt im Zeitraum von Juni bis November 2017 durchgeführt.

Das Ergebnis dieses gründlichen Test-Setups: Das beste Antivirenprogramm kommt von Bitdefender. Mit seiner Note 1,6 schrammt es als einziges im Testfeld denkbar knapp an dem heiß begehrten sehr gut vorbei. 16 weitere Antivirenprogramme haben das Test-Gesamturteil gut. Insgesamt liefern damit 17 der 22 Antivirenlösungen im Testpool eine mehr als zufriedenstellende Leistung ab.

Die besten kostenlosen Antivirenprogramme sind der Bitdefender Antivirus Free (1,9), Avira Antivirus Free (2,1) und Avast Antivirus Free (2,2). Sie können direkt von den Webseiten der Hersteller heruntergeladen werden. Im Schutz den Vollversionen meist mehr oder weniger ebenbürtig, bieten sie in der Regel weniger Support und Zusatzfunktionen wie Netzwerkschutz, E-Mail-Schutz und Software-Updates. Die von ihnen ausgelösten Werbeeinblendungen stören die Nutzer in unterschiedlichem Maße.

Eine Sonderstellung im Test hat der Microsoft Defender, da dieser bereits Bestandteil von Windows 10 ist und standardmäßig auf aktuellen Windows-Rechnern aktiv ist. Die Frage stellt sich also, inwieweit dieser bereits ausreichend schützt und ob ein zusätzliches Antivirenprogramm benötigt wird? Auf den ersten Blick scheinen die Warentester diese Frage deutlich zu beantworten. Die Note 3,0 des Defenders fällt gegenüber den besten im Testfeld deutlich ab. Auf den zweiten Blick ergibt sich aber ein differenzierteres Bild: Die Note leidet unter einem nur befriedigenden Scanner und einer Abwertung aufgrund des fehlenden Phising-Schutzes. Letzteres aus unserer Sicht etwas unbegreiflich, da moderne Browser solche Funktionen übernehmen. Den Echtzeit-Wächter – die wichtigste Funktion eines Antivirenprogramms, da er die Kompromittierung des Rechners verhindert – bewerten die Tester mit gut. (Mehr über die Arbeitsweise und Methoden von Antivirenprogrammen im Blog unserer Partnerfirma ionas – Ihr Online Assistent.)

Überraschend ist für uns das schlechte Abschneiden von Malwarebytes, da es ein in der Praxis recht häufig angetroffenes und von vielen als wertvoll empfundenes Programm ist. Im Test hat der Wächter von Malwarebytes nur jeden zweiten Angreifer erwischt.

Die Abbildung zeigt das Gesamtranking der 22 getesteten Antivirenprogramme in absteigender Reihenfolge. In den folgenden Abbildungen für die Einzelrankings wird diese Reihenfolge beibehalten.

Gesamtranking von 22 Antivirenprogrammen im Test der Stiftung Warentest im März 2018

Schutzfunktion der getesteten Antivirenprogramme

Das Schutz-Ranking der Sicherheitslösungen entspricht aufgrund der hohen Gewichtung des Kriteriums weitestgehend dem Gesamtranking. Die Schutzwirkung macht 65% der Gesamtnote aus. Geprüfte Aspekte waren insbesondere die Wächter- und Scanfunktion sowie der gebotene Phisingschutz.

Der Bitdefender ist beim diesjährigen Test eine Klasse für sich – kostenlose wie kostenpflichtige Variante. Die Internet Security Suite des rumänischen Anbieters bietet einen sehr guten Scanner, sehr guten Wächter und sehr guten Phising Schutz. Bitdefender Free fällt einzig im Phising-Schutz gegenüber der Vollversion leicht ab.

Drei Lösungen gibt es insgesamt, die sehr guten Schutz bieten: Neben den beiden Bitdefender Angeboten ist das noch BullGuard. Mit Kaspersky Internet Security, Norton Security Deluxe, Trend Micro Internet Security sowie den jeweils zwei Produkten von Avira und Avast gibt es zahlreiche weitere mit einem Schutz besser als Note 2.

Interessant zu sehen ist, dass die kostenlosen Editionen der vier Anbieter beim Schutz kaum schlechter sind als ihre kostenpflichtigen Pendants. Bei Avast geben die Tester beiden Edition gleichermaßen die Note 1,9, bei AVG und Avira fällt die Note der Free Edition nur um 0,1-Notenpunkte ab und bei Bitdefender bietet die Vollversion einen Schutz mit Note 1,2 und die Free Edition einen mit Note 1,4. Einzig die Kaspersky Free Variante bietet einen deutlich schlechteren Schutz als die Internet Security Suite des Herstellers. Letztere hat ein sehr gut (1,4), die Free Edition hingegen nur die Note 2,4. Ausschlaggebend ist hier der Wächter, der in der Free Edition gerade mal ein befriedigend erreicht. Kaspersky scheint unterschiedliche Antiviren-Engines zu verwenden oder die kostenlose Version später mit Updates zu versorgen.

Ranking der Schutzfunktion von 22 Antivirenprogrammen im Test der Stiftung Warentest im März 2018

Handhabung

Die Handhabung ging mit einem Gewicht von 25% in die Gesamtnote ein.

Die Notenstreuung bei der Handhabung ist vergleichsweise gering. Kaspersky als Antiviruslösung mit der besten Handhabung erhält die Note 2,1. Die Programme mit der „unfreundlichsten“ Bedienung haben immer noch die Note 3,0.

Die Bewertung in der wichtigen Subkategorie täglicher Gebrauch ist die Streuung ebenfalls gering. Alle getesteten Produkte erhalten entweder die Note gut oder befriedigend.

Ranking in Kategorie Handhabung von 22 Antivirenprogrammen im Test der Stiftung Warentest im März 2018

Rechnerbelastung der Antivirensoftware

Die zwei Antivirenprogramme mit der geringsten Rechnerbelastung sind Avira Antivirus Free und Avira Antivirus Pro mit der Note 1,4 und 1,6. Platz 3 teilen sich Kaspersky Internet Security und Kaspersky Free, Norton Deluxe und Panda Antivirus (alle Note 1,8).

Der Gesamtsieger Bitdefender zeigt hier Schwächen. Mit der Note 2,3 spielen seine zwei Lösungen eher im unteren Mittelfeld. Andererseits lässt sich auch argumentieren: Wer genau prüft, darf auch etwas länger dafür brauchen.

Auffällig ist, dass der Microsoft Defender – zusammen mit Zone Alarm und BullGuard – das Performance-Schlusslicht bildet. In vergangenen Tests ist der Defender – bei schlechterer Schutzfunktion – durch geringe Ressourcenbelastung aufgefallen und hat sich damit für Puristen empfohlen.

Nicht aus der Praxis bestätigen können wir die geringe Rechnerbelastung durch McAfee in diesem Test mit Note 2,0. In unserer täglichen Arbeit ist McAfee das wohl mit Abstand häufigste Antivirenprogramm, das übermäßig hohe Systemlast verursacht.

Ranking der Rechnerbelastung von 22 Antivirenprogrammen im Test der Stiftung Warentest im März 2018

Absoluten Schutz gibt es nicht – aber guten

Mit einem guten Antivirenprogramm sind die eigenen Daten recht gut vor Bedrohungen aus dem Internet geschützt. In Kombination mit einem umsichtigen Surfverhalten und dem Verzicht, jeden E-Mail-Anhang ohne Reflexion zu öffnen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Schadsoftware gering. Dabei spielt die konkrete Wahl des Antivirenprogramms eine eher untergeordnete Rolle. Es muss nicht der Bitdefender zwangsläufig der Bitdefender sein! Auch andere Lösungen bieten – wie der Test gezeigt hat – gute Ergebnisse. Insbesondere wenn bereits ein gutes Antivirenprogramm installiert ist, dann besteht kein Wechseldruck geschweige denn -zwang. Mit Windows 10 kann man – unter Umständen – auch ganz ohne zusätzliches Antivirenprogramm auskommen. Der Wächter des Defender zeigte sich ja durchaus leistungsfähig. (Diese Aussage gilt nicht für Windows 7 und Windows 8.) Andererseits sind die kostenlosen Antivirus-Alternativen von Avira, Avast, AVG, Bitdefender und Co. nicht nur gründlicher, sondern auch ressourcensparender.

Buddy ist ein Dual Boot System und bietet mit seinem Linux Betriebssystem optimalen Schutz gegen Schadsoftware

Für Macs empfehlen die Prüfer von Stiftung Warentest ebenfalls eine Sicherheitslösung: “In der Mac-Welt gibt es zwar nur wenige Bedrohnungen, weil das Betriebssystem streng abgeschirmt ist, die wenigen aktuellen Angriffe schlugen im Test aber auf den Rechnern von Apple ein.” Noch sicherer als MacOS ist Linux. Malware, die es auf Linux Rechner abgesehen hat, kann für praktische Zwecke als inexistent bezeichnet werden. Der Mini-Desktop-PC Buddy von datamate ist daher eine optimale Lösung für sicherheitsbewusste Anwender. Als Dual-Boot System kann man ihn in Windows als auch in Ubuntu Linux-Modus starten. In Linux lassen sich die täglichen Aufgaben erledigen und ein Windows System ist nicht weit, wenn man es doch mal braucht.

geschrieben von

Ralf Dyllick-Brenzinger

2 Kommentare zu Antivirenprogramme im Test bei Stiftung Warentest

  1. Torsten30. März 2018, 16:56

    Bei mir läuft die Aboperiode von Kaspersky Internet Security Anfang Mai ab. Verstehe ich das richtig, dass ich ohne größere Sicherheitseinbuße darauf verzichten und das Geld sparen kann? Ich nutze Windows 10.

    • Ralf Dyllick-Brenzinger30. März 2018, 17:02

      Die AV-Lösungen von Kaspersky haben einen exzellenten Ruf und gehören zu den besten am Markt. Dies hat der Test der Stiftung Warentest auch deutlich unter Beweis gestellt.

      Auch gezeigt hat der Test, dass der Echtzeitschutz des Windows Defenders mehr als nur einen Grundschutz bietet – noch vor wenigen Jahren war das die Einschätzung des Bundesamtes für Sicherheit im Informationswesen (BSI).

      Alles in allem bieten die guten kostenpflichtigen Lösungen ein höheres Schutzniveau als der Windows Defender. Inwieweit dieses die jährlichen Abogebühren rechtfertigt, ist eine Frage der persönlichen Präferenz – und auch des eigenen online Verhaltens. Ein erfahrener Nutzer kann sicher viele Gefahren bereits frühzeitig erkennen.

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